Obwohl die meisten Patienten den Begriff „Schuppen“ ausschließlich mit Erkrankungen der Kopfhaut assoziieren, sollte man bedenken, dass sich dahinter unterschiedliche Krankheitsbilder verbergen. Die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) ist eine oberflächliche Pilzinfektion, die über die behaarte Kopfhaut hinaus auch den Rumpf oder die Arme betrifft. Viele Betroffene unterschätzen anfangs die ersten Symptome und verwechseln sie mit einer allergischen Reaktion, Hitzepickeln oder schlichtweg trockener Haut. Warum ist eine korrekte Diagnose so wichtig, und in welchem Zusammenhang können die Hautveränderungen mit dem Zustand des gesamten Organismus stehen?
Pityriasis versicolor – Entstehungsmechanismus
Die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) wird durch Hefepilze der Gattung Malassezia (früher Pityrosporum) verursacht. Dabei handelt es sich um kommensale Organismen, die natürlicherweise auf der Haut jedes gesunden Menschen vorkommen. Problematisch wird es, wenn es – etwa durch übermäßiges Schwitzen, Störungen des Lipidstoffwechsels oder ein geschwächtes Immunsystem – zu einer übermäßigen Vermehrung dieser Pilze kommt. Entscheidend ist dabei, dass sich diese Hefepilze von den im Talg enthaltenen Fettsäuren ernähren. Daher wird die Erkrankung besonders häufig bei Menschen mit fettiger Haut sowie in den Sommermonaten diagnostiziert, wenn hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit die Aktivität der Talgdrüsen begünstigen.
Wie sieht die Kleienpilzflechte auf dem Rücken und am Körper aus?
In der Praxispraxis ist dies eine der häufigsten Fragen: Wie sieht Pityriasis versicolor (Kleienpilzflechte) aus? Die Hautveränderungen zeigen sich als unregelmäßige Flecken, die anfangs beige oder rosa sein können und mit der Zeit braun oder – infolge von Pigmentstörungen – völlig hell (depigmentiert) werden. Am häufigsten sind Rücken, Brust, Nacken, Schultern und Bauch betroffen – also jene Körperpartien, die besonders viele Talgdrüsen aufweisen und häufiger schwitzen. Im Anfangsstadium können die Flecken bei Reibung leicht schuppen, was die Unterscheidung von gewöhnlichen sonnenbedingten Pigmentflecken erleichtert.

Zusammenhang mit der Trichologie – greift die Kleienpilzflechte die Haare an?
Es ist wichtig zu bedenken, dass die Haut ein zusammenhängendes Ökosystem bildet. Pilze der Gattung Malassezia, die für die Pityriasis versicolor (Kleienpilzflechte) am Körper verantwortlich sind, stellen auch den wesentlichen ätiologischen Faktor für die seborrhoische Dermatitis der Kopfhaut sowie für Schuppenbildung auf der Kopfhaut dar. Eine Pilzinfektion im Bereich der Haarfollikelöffnungen löst eine chronische Entzündung aus, welche die Verankerung des Haares schwächt; dies führt zu einer Schwächung des Haares und in extremen Fällen zu verstärktem Haarausfall.
Wie läuft die Diagnostik in der Praxis ab?
Bei der Diagnose von Pilzinfektionen der Haut wird von der Anwendung willkürlicher „Hausmittel“ abgeraten (wie etwa dem Jodtest, der die erkrankte Epidermis stark reizen kann). Eine professionelle Beurteilung umfasst unter anderem die Untersuchung unter der Wood-Lampe, bei der infizierte Bereiche eine charakteristische Fluoreszenz zeigen, sowie – bei Problemen der Kopfhaut – eine fachärztliche trichologische Untersuchung unter Vergrößerung.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Pityriasis versicolor ist eine Pigmentierungsstörung – Stoffwechselprodukte des Pilzes hemmen die Melanin-Synthese, was zur Entstehung heller Flecken (Depigmentierungen) führt. Zu den wesentlichen begünstigenden Faktoren gehören:
- Endokrinologische und hormonelle Störungen (einschließlich Kontrazeption).
- Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose).
- Kohlenhydratreiche Ernährung und Diabetes.
- Chronischer Stress, der die lokale Widerstandskraft der Haut schwächt.
Differenzialdiagnose – womit kann die Kleienpilzflechte verwechselt werden?
In der klinischen Praxis werden Hautveränderungen bisweilen mit anderen Krankheitsbildern verwechselt. Es ist zu beachten, dass ähnliche Symptome auch durch Folgendes hervorgerufen werden können:
- Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Im Gegensatz zur Pityriasis versicolor sind die Flecken bei Vitiligo völlig pigmentfrei (kreideweiß) und weisen keine aktive Entzündung auf.
- Pityriasis rosea (Gibert-Roseole): Sie beginnt mit dem sogenannten Primärmedaillon (Mutterplaque), und ihr Verlauf ist in der Regel selbstlimitierend.
- Psoriasis: Sie zeichnet sich durch eher silbrige Schuppen und andere charakteristische Lokalisationen der Hautveränderungen aus.
Eine präzise Differentialdiagnose ist entscheidend, da sich das therapeutische Vorgehen bei diesen Erkrankungen grundlegend unterscheidet.
Wirksame Behandlungsmethoden und sogenannte „Hausmittel“
Viele Patienten suchen nach Hausmitteln (z. B. Abwaschungen mit Essig oder Natron). Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Hausmittel die eigentliche Ursache selten beseitigen und zudem zu starken Hautreizungen führen können. Eine umfassende Therapie stützt sich auf bewährte Säulen:
- Lokale Behandlung: Spezielle Antimykotika-Shampoos (z. B. mit Ketoconazol oder Selendisulfid) sowie Cremes zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der Mikrobiota.
- Systemische Behandlung: Orale Pharmakotherapie, die bei ausgedehnten Läsionen oder Rezidiven eingeleitet wird.
- Wiederaufbau der Hydrolipidbarriere: Verwendung von Dermokosmetika, die die natürlichen Schutzfunktionen der Haut unterstützen.
Die Rolle der Ernährung bei der Behandlung von Hautpilzinfektionen
Auch wenn die medikamentöse Behandlung die Grundlage bildet, sollte der Lebensstil nicht außer Acht gelassen werden. Hefepilze der Gattung Malassezia bevorzugen ein glukosereiches Milieu. Der Verzicht auf Einfachzucker und stark verarbeitete Lebensmittel trägt dazu bei, einem Wiederauftreten der Beschwerden vorzubeugen. Eine entzündungshemmende Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Zink und B-Vitaminen ist, stärkt das Immunsystem der Haut, da der Zustand der äußeren Körperhülle den inneren Zustand des Organismus direkt widerspiegelt.
