Hirsutismus wird in der Öffentlichkeit häufig fälschlicherweise als eigenständiges Krankheitsbild definiert, während er in Wirklichkeit ein klinisches Symptom zugrundeliegender systemischer Störungen darstellt. Schätzungen zufolge sind bis zu 35 % der Frauen unterschiedlichen Alters von übermäßiger Behaarung nach männlichem Muster betroffen, was dieses Phänomen zu einem der häufigsten endokrinologisch-dermatologischen Probleme in der ärztlichen Praxis macht. Dabei ist hervorzuheben, dass es sich nicht nur um ein ästhetisches Problem handelt; sehr oft weist es auf tieferliegende Stoffwechsel- oder Hormonstörungen hin, die sich auch auf den Zustand der Kopfhaut und der Haarfollikel auswirken.
Hirsutismus – was ist das?
Hirsutismus ist definiert als das Auftreten einer übermäßigen Terminalbehaarung bei Frauen mit einem typisch männlichen Verteilungsmuster. Dies äußert sich im Wachstum dunkler, dicker und kräftiger Haare an Körperstellen, die bei Frauen auf eine Androgenstimulation reagieren – im Gegensatz zu dem feinen Flaum, der den Großteil der Hautoberfläche bedeckt. Ursache dieses Phänomens ist entweder eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den im Blut zirkulierenden Androgenen oder eine erhöhte Konzentration dieser Hormone.
Es ist erwähnenswert, dass dieses Problem in verschiedenen Lebensphasen auftreten kann. Häufig wird Hirsutismus bei heranwachsenden Mädchen in der Pubertät beobachtet – einer Zeit, in der sich die hormonellen Regelkreise erst stabilisieren –, aber auch als übermäßige Behaarung während der Schwangerschaft oder als Hirsutismus in den Wechseljahren, bedingt durch starke Schwankungen im Verhältnis von Östrogenen zu Androgenen. Unabhängig vom Alter sind die typischerweise betroffenen Bereiche:
- Oberlippe und Kinn
- Zentraler Bereich des Brustkorbs und Umgebung des Brustwarzenhofs
- Rücken und Lendenbereich
- Linea alba des Bauches
- Oberschenkelinnenseiten und Vulvabereich
Neben der Behaarung selbst treten bei den Patientinnen häufig weitere Symptome des Hyperandrogenismus auf, wie etwa Akne im Erwachsenenalter, Seborrhö der Kopfhaut und eine Miniaturisierung der Kopfhaare, die zu deren Ausdünnung führt; in schwereren Fällen kommen Anzeichen einer Virilisierung hinzu, beispielsweise eine Vertiefung der Stimme oder eine Klitorishypertrophie.

Ursachen von Hirsutismus
Die unmittelbare Ursache für Hirsutismus ist eine übermäßige Produktion von Androgenen (hauptsächlich Testosteron, Androstendion und Dehydroepiandrosteron-Sulfat – DHEA-S) durch die Eierstöcke oder die Nebennieren oder aber eine erhöhte periphere Aktivität des Enzyms 5-alpha-Reduktase, das Testosteron in das wirkungsstärkere Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. Zu den häufigsten Erkrankungen, die diesen Zustand hervorrufen, zählt das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS), das für den Großteil der Fälle von Hyperandrogenismus bei Frauen verantwortlich ist.
Weitere wesentliche Rahmenbedingungen und Faktoren, die eine Verschlimmerung der Symptome begünstigen, sind:
- Insulinresistenz und Hyperinsulinämie, die die Eierstöcke zu einer verstärkten Androgenproduktion stimulieren
- Schilddrüsenunterfunktion und chronischer Stress, der den Prolaktinspiegel erhöht
- Einnahme bestimmter Medikamente, einschließlich Steroidpräparaten sowie in der Trichologie eingesetzter Medikamente wie oralem Minoxidil.
- Genetische und familiäre Veranlagung
- Viszerale Adipositas, die die periphere Hormonkonversion verstärkt
Diagnostik des Hirsutismus in der klinischen Praxis
Das wichtigste klinische Instrument zur objektiven Bestimmung des Schweregrads des Problems ist der Ferriman-Gallwey-Score. Dabei werden neun definierte Körperregionen auf einer Skala von 0 bis 4 bewertet. Erreicht oder überschreitet das Ergebnis die festgelegten internationalen Grenzwerte, kann die Erkrankung offiziell diagnostiziert werden. Wie die tägliche Praxis zeigt, suchen Patientinnen häufig nach Informationen darüber, wie sich Hirsutismus erkennen lässt und welche Untersuchungen zur Bestätigung der Diagnose erforderlich sind.
Die reine visuelle Beurteilung ist jedoch nur der Anfang. In meiner Klinik erweitern wir den diagnostischen Prozess um eine Reihe von Laboruntersuchungen, bei denen die Konzentrationen von Sexualhormonen und Gonadotropinen sowie das Glukose-Insulin-Profil und die Schilddrüsenfunktion bestimmt werden. Zudem sind eine fachärztliche trichologische sowie eine gynäkologisch-endokrinologische Konsultation erforderlich, um einen sicheren Behandlungsplan zu erstellen.
Behandlung und wirksame Vorgehensweisen
Die Behandlung von Hirsutismus muss ursachenorientiert und vielschichtig erfolgen. Je nach diagnostizierter Ursache der Störung kann die medizinische Therapie eine Regulierung des Hormonhaushalts mittels Medikamenten, den Einsatz von Antiandrogenen, eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels oder die Anpassung der bisher eingenommenen Medikamente umfassen. Dabei ist Geduld seitens der Patientin entscheidend, da der Haarwachstumszyklus mehrere Monate dauert und erste Behandlungserfolge meist erst nach mindestens drei bis sechs Monaten konsequenter Therapie sichtbar werden.
Gleichzeitig stoppt die medikamentöse Behandlung die Entstehung neuer, unerwünschter Haare, entfernt jedoch nicht jene, die bereits gewachsen sind. Daher bleiben professionelle Behandlungen aus den Bereichen Ästhetische Medizin und Kosmetologie – wie etwa die moderne Laser-Haarentfernung, die eine wirksame und dauerhafte Beseitigung übermäßiger Behaarung ermöglicht – ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungsansatzes.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bibliographie und medizinische Quellen
- Azziz, R., Carmina, E., Dewailly, D., et al. (2006). Positions statement: criteria for defining polycystic ovary syndrome as a predominantly hyperandrogenic syndrome: an androgen excess society guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 91(11), 4237-4245.
- Martin, K. A., Chang, R. J., Ehrmann, D. A., et al. (2008). Evaluation and treatment of hirsutism in premenopausal women: an Endocrine Society clinical practice guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 93(4), 1105-1120.
