Gesundes und glänzendes Haar zu erhalten, erfordert ein Verständnis der physikalisch-chemischen Prozesse innerhalb der Keratinstruktur. Belastende äußere Einflüsse und ungeeignete Pflegegewohnheiten führen rasch zu Glanzverlust, Rauheit und einer Schwächung des Haarschafts. Eine bewusste Haarpflege basiert vor allem auf der präzisen Abstimmung der Inhaltsstoffe auf die individuellen Bedürfnisse; in der Praxis bedeutet dies den gezielten Einsatz der drei trichologischen Säulen.
Das Kürzel PEH steht für drei grundlegende Gruppen von Wirkstoffen: Proteine, die für den Ausgleich von Haarschäden zuständig sind; Emollientien, die einen okklusiven Film auf der Haaroberfläche bilden; sowie Humektantien, die Wassermoleküle binden. Diese Substanzen bilden die drei Säulen der Haarpflege, deren ausgewogenes Verhältnis die Voraussetzung für ein gesundes Aussehen des Haares ist.
Entgegen weitverbreiteter Mythen bedeutet das PEH-Gleichgewicht nicht eine starre Aufteilung von jeweils 33 % auf die einzelnen Komponenten. Die optimalen Verhältnisse sind höchst individuell und hängen von der Porosität des Haares, seinem aktuellen Zustand sowie von Umwelteinflüssen ab. So benötigen beispielsweise Haare mit geringer Porosität vorwiegend leichte Emollientien, während geschädigtes Haar mit hoher Porosität eher Proteine und Feuchtigkeitsspender (Humektanten) benötigt.
Eine detaillierte Erläuterung der allgemeinen Grundsätze für eine bewusste Bilanzierung dieser Bestandteile finden Sie in unserem weiterführenden Beitrag:
Wann spricht man davon, dass Kosmetika eine PEH-Formel haben?
Die Zusammensetzung von Friseurprodukten hängt unmittelbar von ihrer INCI-Liste (der chemischen Zusammensetzung) ab. Manche Conditioner vereinen ausgewogene Mengen aller drei Gruppen in sich; daher werden sie als PEH-Produkte bezeichnet. Es lohnt sich, die genauen Bezeichnungen der Inhaltsstoffe zu kennen, um die Etiketten bewusst lesen zu können:
- Proteine in Kosmetika umfassen unter anderem Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs (hydrolysiertes Keratin, hydrolysiertes Kollagen, Seide, Elastin, Albumin) sowie pflanzlichen Ursprungs (z. B. hydrolysiertes Weizenprotein, hydrolysiertes Sojaprotein). Zu den in der täglichen Pflege verwendeten Proteinen zählen beispielsweise Keratin und Seidenproteine, die Schäden in der Haarstruktur hervorragend reparieren.
- Emollientien in Kosmetika treten in Form von natürlichen Ölen, Buttern, Fettalkoholen (z. B. Cetearyl Alcohol, Cetyl Alcohol), Silikonen (z. B. Dimethicone, Amodimethicone) sowie Paraffin und Lanolin auf. An dieser Stelle lohnt es sich, eine häufig gestellte Frage zu beantworten: Welcher Gruppe des PEH-Schemas werden Silikone zugeordnet? Silikone werden direkt als Emollientien klassifiziert, da sie auf der Oberfläche des Haarschafts einen schützenden Okklusivfilm bilden, der vor Feuchtigkeitsverlust und mechanischen Schäden bewahrt.
- Feuchthaltemittel in Kosmetika – das sind Verbindungen wie Glycerin, Hyaluronsäure (Sodium Hyaluronate), Harnstoff (Urea), Aloe vera (Aloe barbadensis Leaf Juice), Panthenol sowie Honig.
Praktische PEH-Tabelle – wie man die Inhaltsstoffe auf die Porosität abstimmt?
Um die Erstellung einer täglichen Pflegeroutine zu erleichtern, haben wir eine Übersicht zusammengestellt, die den Bedarf verschiedener Haartypen an spezifischen Wirkstoffgruppen aufzeigt:
| Porositätstyp | Eigenschaften der Schuppenschicht | Hauptfokus (PEH) | Zu vermeiden / Worauf zu achten ist |
|---|---|---|---|
| Haar mit geringer Porosität | Geschlossene, glatte Struktur | Leichte Emollientien, moderate Feuchthaltemittel | Schwere Buttern, Überschuss an starken Proteinen |
| Haar mit mittlerer Porosität | Leicht geöffnete Schuppenschicht | Ausgewogener Wechsel (abwechselnd P, E, H) | Extreme Pflege und mangelnde Konsequenz |
| Hochporöses Haar | Stark geöffnet / geschädigt | Starke Emollientien (Beschwerung) + kontrollierte Proteine | Reine Feuchthaltemittel (Humectants) ohne Okklusion an trockenen oder feuchten Tagen |
Die obige Tabelle dient als Grundlage für die Erstellung eines individuellen Waschplans. Denken Sie daran, dass sich die Bedürfnisse Ihrer Haare durch Witterungseinflüsse, saisonale Veränderungen oder chemische Behandlungen ändern können.
Wie bestimmt man die Haarporosität richtig?
Bevor du deinen individuellen Pflegeplan auf der Basis der PEH-Balance erstellst, musst du genau wissen, mit welcher Haarstruktur du es zu tun hast. Die gängigsten Diagnosemethoden für die Anwendung zu Hause sind:
- Der Wassertest – dabei wird ein sauberes, von Silikonen und Stylingprodukten befreites Haar in ein Glas Wasser gegeben. Haar mit geringer Porosität bleibt lange an der Oberfläche, Haar mit mittlerer Porosität sinkt langsam ab, während Haar mit hoher Porosität schnell untergeht.
- Fühltest (Fahren mit den Fingern) – mit den Fingern von den Spitzen bis zum Ansatz fahren. Ist das Haar vollkommen glatt, deutet dies auf eine geringe Porosität hin. Spürbare Unebenheiten und Rauheit lassen auf eine mittlere oder hohe Porosität schließen.
- Test der Wasseraufnahme – Überprüfung, wie schnell das Haar nach dem Waschen trocknet. Ein schnelles Trocknen ist typisch für stark poröses Haar, während eine lange Trocknungszeit für eine Struktur mit geringer Porosität charakteristisch ist.
Welche Folgen hat ein gestörtes PEH-Gleichgewicht?
Ein Mangel an Ausgewogenheit bei der Nährstoffversorgung wirkt sich unmittelbar auf den Zustand des Haares aus. Die Auswirkungen hängen davon ab, welche Komponente überwiegt oder fehlt:
- Proteinüberschuss oder -mangel – ein Übermaß an Proteinen führt zu Steifheit, Stumpfheit und einer strohigen Textur. Ein Mangel hingegen lässt das Haar schlaff wirken; es dehnt sich wie Kaugummi und verliert seine natürliche Sprungkraft.
- Ein Übermaß oder Mangel an Emollientien: Fehlen sie, kommt es durch Reibung zu starkem Frizz und statischer Aufladung. Ein Überschuss hingegen beschwert das Haar und lässt die Strähnen fettig, strähnig und ungewaschen wirken.
- Überschuss oder Mangel an Feuchthaltemitteln – im Übermaß angewendet (insbesondere bei extremen Wetterbedingungen) entziehen Feuchthaltemittel dem Haarinneren oder der Umgebung Feuchtigkeit, was zu widerspenstigem Frizz führt. Ein Mangel hingegen äußert sich durch Mattigkeit, Rauheit und ein Gefühl der Austrocknung.
Die detaillierte Rolle der einzelnen Säulen in der Praxis
Ein genaues Verständnis der Wirkungsweise jeder Gruppe ermöglicht eine präzise Rotation der Kosmetikprodukte und die Vermeidung von Pflegefehlern:
- Emollientien sorgen für Okklusion, das Schließen der Schuppenschicht sowie Schutz vor UV-Strahlung und mechanischen Schäden. Ihre Anwendung sollte stets auf die Porosität des Haares abgestimmt werden, wobei zu beachten ist, dass das Haar bei einem Mangel an diesen Stoffen an Glanz verliert.
- Proteine wirken wie ein struktureller Kitt. Sie füllen Mikroschäden in der Haarrinde auf, erhöhen die mechanische Widerstandsfähigkeit des Haares und verbessern dessen natürliche Sprungkraft (was insbesondere bei der Pflege von lockigem und welligem Haar von großer Bedeutung ist).
- Humektantien speichern Wasser hygroskopisch in der Keratinstruktur. Ihre Wirkung erfordert jedoch zwingend den „Verschluss“ durch Emollientien, um das Verdunsten der Feuchtigkeit an die Umgebungsluft zu verhindern.
Wie lassen sich die tägliche Reinigung und der Produktwechsel planen?
Der Weg zur idealen Haarpflege beginnt mit der Erstellung eines wiederkehrenden Pflegeplans. In der trichologischen Praxis bewährt sich vor allem ein Wechsel der Produkte, der sich an der Reaktion des Haares auf das jeweilige Mittel orientiert. Fühlt sich das Haar nach der Anwendung eines Conditioners locker, gepflegt und weich an, wurde das richtige Produkt für die jeweiligen Bedürfnisse gewählt. Wirkt es hingegen steif oder schlapp, sollte bei der nächsten Haarwäsche ein ausgleichender Wirkstoff zum Einsatz kommen (z. B. ein reichhaltiger Emollient nach einer Proteinbehandlung oder ein Feuchtigkeitsspender nach einer beschwerenden Pflege). Die Verwendung von All-in-One-Produkten (3-in-1) oder eines festen Pflegeplans – etwa „Proteine bei jeder zweiten Wäsche, an den übrigen Tagen Feuchtigkeit und Schutz“ – trägt dazu bei, das biologisch-chemische Gleichgewicht des Haarschafts zu bewahren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bibliographie und medizinische Quellen
- Gedio, J. A. (2015). "Cosmetic Dermatology: Products and Procedures." Wiley-Blackwell, 310-325.
- Robbins, C. R. (2012). "Chemical and Physical Behavior of Human Hair." Springer Science & Business Media, 120-145.
